Biogas funktioniert – wenn man es als System denkt.
Praxisbericht Biogas von Christian Lüdemann aus Visselhövede.
Ich bewirtschafte den landwirtschaftlichen Betrieb gemeinsam mit meinem Bruder. Rund 900 Hektar Ackerfläche und eine Mastschweinehaltung auf etwa 4.000 Plätzen. Ackerbau, Tierhaltung und Biogas greifen bei uns ineinander.
Unsere Biogasanlage (inklusive zwei Satellitenstandorten) betreiben wir mit zusammen 1,25 MW Bemessungsleistung. Der Hauptstandort mit 500 kW wurde 2020 flexibilisiert und verfügt heute über 2 MW installierte Leistung. Ein Satellitenstandort läuft mit 530 kW Dauerleistung, ein weiterer mit 250 kW Bemessungsleistung und 500 kW installierter Leistung (doppelt überbaut).
Technisch bedeutet das: BHKW‑Flexbetrieb, erweiterte Gasspeicher und Wärmepufferspeicher und eine angepasste Einbindung im Bestand. Der Aufwand für die Flexibilisierung war dabei mindestens so hoch wie beim ursprünglichen Anlagenbau.
Ein zentraler Punkt ist die Wärmenutzung. Alle drei Standorte sind an Wärmenetze angeschlossen. Am Hauptstandort versorgen wir neben der Prozesswärme acht Wohneinheiten, eine Schweinemastanlage, einen Ferkelaufzuchtstall sowie betriebliche Gebäude. Überschüsse nutzen wir zur Hackschnitzeltrocknung.
An den Satellitenstandorten werden u. a. Schulen, Kitas, eine Turnhalle, ein Hallenbad, Pflegeeinrichtungen, Hotels und über 100 Wohneinheiten mit Wärme versorgt. Ohne die Biogasanlage gäbe es das Hallenbad heute nicht mehr. Der Ausbau des Wärmenetzes wurde frühzeitig gemeinsam mit Kommune und politischen Gremien entwickelt – das Ergebnis ist eine positive Resonanz der Anwohner und Nachbarn.
Kreislaufwirtschaft ist bei uns gelebte Praxis: Gülle und Substrate aus der Tierhaltung, Gärreste zurück auf die Flächen, Energie und Wärme bleiben regional.
Gleichzeitig bremsen politische Rahmenbedingungen. Ein zu geringes Ausschreibungsvolumen, fehlende Planungssicherheit und steigende Auflagen erschweren neue Projekte deutlich. Viele Investitionen rechnen sich nur noch, wenn Wärmenutzung, Infrastruktur und Flexibilität zusammenpassen.
Ein Batteriespeicher war für uns geplant, scheiterte aber letztlich am fehlenden Netzanschluss. Stattdessen gehen wir den nächsten Schritt am Satellitenstandort 2 und passen dort aktuell den Bebauungsplan an – mit Blick auf zusätzliche Wärmepufferspeicher und weitere BHKW‑Kapazitäten.
Seit vielen Jahren begleitet uns Biogas Service Tarmstedt bei Sanierungen, Flexibilisierung und im laufenden Betrieb. Für mich zählt dabei vor allem eines: schnelle, kompetente Ansprechpartner – ohne unnötige Schnittstellen.
Fazit zum Praxisbericht Biogas:
Biogas kann viel leisten – Wärme, Versorgungssicherheit und Kreislaufwirtschaft. Entscheidend ist, die Anlage als Gesamtsystem zu denken und verlässliche Rahmenbedingungen zu haben.