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Ohne Biogas kein Bio?

Warum wir die Rolle von Biogasanlagen im Ökolandbau neu bewerten sollten.

Impulse dazu liefern aktuelle top agrar Artikel von Hinrich Neumann. Viele der beschriebenen Punkte decken sich mit dem, was wir aus der Praxis kennen: Dort, wo Kleegras, Reststoffe und Nährstoffkreisläufe konsequent zusammengedacht werden, ist Biogas ein funktionaler Bestandteil des Systems.

Ein Beispiel aus Bayern bringt es drastisch auf den Punkt: Ein Naturland Betrieb mit 20 jähriger Biogasanlage wäre ohne deren Weiterbetrieb gezwungen, aus dem Ökolandbau auszusteigen. Nicht aus wirtschaftlichem Opportunismus – sondern, weil zentrale Fruchtfolgebausteine wie Kleegras sonst nicht sinnvoll verwertbar sind.

Und genau hier liegt aus unserer Sicht der Kern der Debatte.
👉 Kleegras ist kein Nebenprodukt, sondern ein Schlüsselwerkzeug für Bodenfruchtbarkeit, Humusaufbau und Stickstoffbindung.
👉 Biogas kann Kleegras nutzbar machen, wenn keine oder nur geringe Tierhaltung vorhanden oder gewollt ist – sei es einzelbetrieblich oder gemeinschaftlich.
👉 Gärreste schließen Nährstoffkreisläufe, verbessern Bodenstruktur, Wasserhaltefähigkeit und Erträge – das zeigen Praxis und Forschung übereinstimmend.

Gleichzeitig halten sich Vorbehalte:
Biogas schade dem Humus.
Biogas konkurriere mit Lebensmitteln.
Biogas passe nicht zum Bio Gedanken.

Wichtig dabei:
Im Ökolandbau sprechen wir nicht flächendeckend von großen, einzelbetrieblichen Biogasanlagen. Die Realität sind häufig kleine Betriebe, begrenzte Substratmengen und Lösungen, die gemeinsam, regional oder überbetrieblich gedacht werden müssen.

Die Erfahrungen aus vielen Bio Betrieben – auch kleinen und kooperativ organisierten – zeigen jedoch:
Gärreste wirken als Humusersatz, erhöhen Regenwurmdichten, stabilisieren Bodenaggregate und verschieben Stickstoff genau in die Zeitfenster, in denen Pflanzen ihn brauchen. Gerade im Ökolandbau ein realer Hebel.

Unsere Einschätzung als Biogas Praxispartner:
Die Frage ist nicht, ob Biogas zu Bio passt.
Die Frage ist, wie Biogasanlagen künftig in ökologische Betriebssysteme eingebunden werden – stofflich, energetisch und wirtschaftlich.

Mit auslaufender EEG Förderung stehen viele Betriebe – auch Bio Betriebe – vor grundlegenden Entscheidungen:
Flexibilisierung, Wärmenutzung, Speicher, Anpassung der Substrate, neue Kooperationsmodelle.

Wer hier pauschal gegen Biogas argumentiert, riskiert, funktionierende biologische Kreisläufe mit abzuschalten.